Von Kaisern, Braumeistern und Superhelden…

Wien Museum Karlsplatz: Buntglasscheibe ( um 1380 ) Detail:
König FriedrichI. der Schöne © Wolfgang Sauber
Weitra feiert 2021 ein ganz besonderes Jubiläumsjahr. Denn genau vor 700 Jahren erhielten die Bürger der Stadt Weitra vom Österreichischen König und Deutschen Kaiser Friedrich I, der Schöne, das Privileg Bier zu brauen und auszuschenken. Damit gilt Weitra als älteste Braustadt Österreichs.
Eine Reihe von Veranstaltungen, Eröffnungen und Bierfesten sind geplant. Thematischer Schwerpunkt ist natürlich „Bier“, mit allem was dazugehört vom Brauen zum Trinken.
Das Museum Alte Textilfabrik nimmt dieses Jubiläumsjahr zum Anlass, um sich in seiner Sonderausstellung der Zeit um 1321 zu widmen. Gemäß der Grundintention des Museums, wird ein Textil-sozialgeschichtlicher Fokus auf diese Zeit gerichtet.
Mit der Sonderausstellung zum Jubiläumsjahr nutzt das Museum Alte Textilfabrik die Gelegenheit sich einerseits noch stärker als wesentlicher Kulturträger der Stadt Weitra zu positionieren und andererseits weitere Publikumsschichten vor allem aus den Ballungsräumen anzusprechen.
Geschichtlicher Hintergrund:

König Friedrich der Schöne, Chronik der 95 Herrschaften
Friedrich der Schöne (1289-1330) war – auch wenn er den Beinahmen erst mehrere hundert Jahre später erhalten sollte – sehr wohl auf schöne Kleidung bedacht und legte viel Wert auf sein Äußeres. Aber man konnte es auch übertreiben. So kam bei seinen Verhandlungspartnern am Hoftag zu Speyer (1309) sein prunkvolles Erscheinen nicht besonders gut an.
Aber hinsichtlich der Modegewohnheiten war er ein Kind seiner Zeit. Mit dem „Outfit“ signalisierten die spätmittelalterlichen Menschen Rang und Position, Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen und sozialen Schichten. Bauernfamilien war das Tragen von modischen bunten Gewändern, die nicht nur praktisch sondern auch schick waren, untersagt. Friederich der Schöne hatte viel Energie aufwenden, um das Erbe seines Vaters, nach dem dieser einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war, zu sichern. Auf den Böhmischen Thron musste er verzichten, auch die Kaiserwürde musste er sich mit seinem bayrischen Kollegen teilen.
Die Auseinandersetzung mit dem Bayern Ludwig endete mit einem heute eher befremdlichen Ritual: Sie teilten eine Nacht das Bett.
Friedrich und Elisabeth (Isabell) von Aragón.
Nachdem die Habsburger bereits mit allen relevanten Herrscherhäusern im Deutschen Reich verheiratet waren, wählte er seine Braut aus Spanien und betonte somit die Internationalität seines Geschlechts. Die beiden heirateten 1313 in Barcelona, – wobei sich Friedrich durch einen Vertreter ersetzen ließ. Das Hochzeitsfest fand dann in Österreich statt, diesmal waren beide Brautleute persönlich anwesend.
Isabell agierte künftig an seiner Seite als politisch sehr aktive und eigenständige „First Lady“.
Das Ausstellen von Urkunden, die Verleihung von Privilegien gehörte zu den administrativen Tätigkeiten eines Herrschers, damit konnte er verschiedene Berufsgruppen, Handelsbeziehungen und Städte fördern. Das Privileg von 1321 erlaubte den Bürgern von Weitra – und nur diesen(!!) in Weitra Bier zu brauen und zu schenken. Auch in der Nähe, im Umkreis von einer Meile (ca. 7,5km) durfte nicht gebraut und geschenkt werden.
Wichtig für das Aufblühen von Handel und Gewerbe in Weitra war der Passus in der Urkunde, die den alten Handelsweg von Zwettl nach Südböhmen von der Niederung in Altweitra auf den Berg mitten durch die jüngere Stadt Weitra verlegte.
Die Sonderausstellung HOCHZEIT wird auf das Jahr 2022 verschoben!