Bilinguale Konferenzen / Dvoujazyčná Konference

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„Vergangenheit und Zukunft der Textilindustrie – Waldviertel und Südböhmen“

Auf Initiative des Museums Alte Textilfabrik fand im Rahmen des KPF-Projektes „Museumsbrücke“ im Mai und im September 2020 die zweisprachigen Konferenzen „Vergangenheit und Zukunft der Textilindustrie – Waldviertel und Südböhmen“ und „Visionen für eine zukunftstaugliche Textilproduktion“ in Písek und Weitra statt. Neben Fachvorträgen von innovativen, produzierenden Betrieben beider Regionen, standen beide Veranstaltung ganz im Zeichen der Vernetzung von Institutionen und Personen im Fachbereich Textil.

Die erste Konferenz fand im tschechischen Prácheňské Museum in Písek statt. Neben Vorträgen zur Geschichte der Textilindustrie der beiden Regionen standen Besuche bei produzierenden Betriebe und der – gerade frisch gestalteten – Ausstellung im Prácheňské Museum auf dem Program. Die Textilstadt Písek blickt auf eine lange Tradition von Webereien, Färbereien und Schneidereien zurück, bis heute werden in Pìsek vielerorts Textilien produziert.

„Am Anfang eines Projektes steht immer eine Vision, in diesem Fall ist es der Traum durch Vernetzung und Kooperation von Museen, Institutionen, Industrie, DesingerInnen,… die europäische Textilindustrie  anzustoßen und Möglichkeiten für die Zukunft zu finden.“, meint die Initiatorin Brigitte Temper-Samhaber.

Helena Stejskalová, Historikerin, Vizedirektorin des Südböhmischen Museums und Kooperationspartner der „Museumsbrücke“, lud in ihrem Vortrag das Publikum zur „Entdeckungsreise durch die lange Geschichte der Textilproduktion in Südböhmen“.

Der Historiker Michael Resch, gab einen tiefen Einblick in die Geschichte der Textilunternehmen im 19.Jh am Beispiel Hackl &Söhne und präsentierte seine neuesten Forschungsergebnisse.

Heinrich Hetzer, Ingenieur für Textiltechnik, zeigte anschaulich die Geschichte und „Bedeutung der Jacquardweberei für die heutige Textilwirtschaft im Waldviertel“ auf.  Die wissenschaftliche Leiterin des Textilen Zentrums Haslach, Christina Leitner und der Kurator Bohumír Bernášek des Prácheňské Museum veranschaulichten die zeitgemäße Aufarbeitung textiler Geschichte in ihren Museen.

Abschließend stand ein gemeinsamer Besuch in der Ausstellung zum 70-jährigen Bestehen des Textilbetriebs JITEX. Das fachkundige Publikum zeigte sich vom Programm begeistert und gratulierte auch Melanie Zipf, die (im Auftrag von blondcommunication) für die Organisation verantwortlich zeichnete.

Die Veranstaltung ist Teil der grenzüberschreitenden Kooperation „Museumsbrücke“ zwischen dem Museum Alte Textilfabrik in Weitra und dem Südböhmischen Museum in Budweis. Das Projekt wird durch den Europäischen Fonds für Regionalentwicklung, das Programm „INTERREG V-A Österreich-Tschechische Republik“ gefördert und durch Eigenmittel der NÖ.Regional.GmbH kofinanziert.

Visionen für eine zukunftstaugliche Textilproduktion

Die zweite Konferenz fand im Rathaus von Weitra statt. Nach der Eröffnung durch Bürgermeister Raimund Fuchs skizzierte der Handelswissenschafter und frühere Sekretär der europäischen Textilgewerkschaft Rudolf Godesar aus Belgien den Zusammenbruch der europäischen Textilindustrie vor dem Hintergrund internationaler Handelsabkommen. Er appellierte eindringlich für neue Rahmenbedingungen, die ökologische und soziale Faktoren mitberücksichtigen, um globale faire Produktionsbedingungen zu schaffen.

Einblicke in die Arbeit von innovativen, produzierenden Textilbetrieben in Südböhmen und Waldviertel gaben Jana Kunklová und der Leiter der Entwicklungsabteilung Miroslav Říha von der Fa. Adient, Strakonice, sowie Tina Wais und Mario Mohapp von Baumann Dekor, welche wieder erfolgreich an die große Tradition anschließen konnten und Nischen im Qualitätssegment gefunden haben, zum Beispiel mit Hotelausstattungen in Dubai.

Adient ist Weltmarktführer bei der Textilaustattung von Autos, – über 25 Millionen Autos pro Jahr werden mit Know How aus Strakonice ausgestattet.

Philipp Marouschek, Gründer des Labels Y/O/U, zeigte provokant kritisch auf, wie schwierig der Weg zur nachhaltigen heimischen Textilproduktion noch ist.

Zuletzt diskutierten Rudolf Godesar, Philipp Marouschek, Helena Stejskalová, Vizedirektorin und Projektpartnerin des Südböhmischen Museums, Magdalena Hlustiková von der Kulturabteilung aus Borovany und die „Grande Dame“ des österreichischen Textildesigns, die Designerin Vesna aus Primmersdorf angeregt über die Textilproduktion der Zukunft, die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen für die Region. Manuel Wandl, Lektor an der Universität für angewandt Kunst, Wien stellte seine Textilprojekte in Ghana und Mali vor. Für die Moderation sorgte Thomas Samhaber.

Einig war man sich, dass Textil auch in unserer Region Zukunft hat, Kooperation – und dazu wurden auch beim Kongress konkrete Schritte gesetzt – ist dabei der Schlüssel!

Abschließend stand noch ein gemeinsamer Besuch im Museum Alte Textilfabrik am Programm.

Das Museum ist nun, ebenfalls durch das KPF- Projekt, zweisprachig und auch Besucher aus der benachbarten Tschechischen Rebuplik können die Dauerausstellung in ihrer Sprache erleben.

Der zweischprachigen Folder kann hier downgelodet werden.

Mit diesen Konferenzen soll ein länderübergreifender Dialog angeregt werden, der sowohl den Blick in die Vergangenheit freigeben als auch visionäre Möglichkeiten der Textilindustrie aufzeigt möchte. Aber auch Möglichkeiten zu langfristigen Kooperationen im Textilbereich sollten gestärkt werden.

Download hier:
Programm Mai 

Programm September

Das Projekt „Museumsbrücke“ wird im Rahmen des Projektes FMP/KPF AT­CZ 2014­2020 durch den Europäischen Fonds für Regionalentwicklung, Programm „INTERREG V­A Österreich­Tschechische Republik“, gefördert und durch Eigenmittel der NÖ.Regional.GmbH kofinanziert.
Projekt „Muzejní most“ podporován v rámci projektu FMP/KPF AT­ CZ 2014­2020 Evropským fondem pro regionální rozvoj, program „INTERREG V­A Rakousko­Česká republika“ a je spolufinancován vlastními prostředky NÖ.Regional.GmbH.


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